AGZ-Fibel
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Modell aus Frankreich

Das Modell der „Groupements d’employeurs“ (Arbeitgeber-
zusammenschlüsse) stammt aus Frankreich, wo es seit 1985 gesetzlich verankert ist.

Entstanden in der landwirtschaftlichen Nachbarschaftshilfe und ursprünglich nur für kleine Betriebe mit bis zu 10 Beschäftigten zugelassen, haben sich die Arbeitgeberzusammenschlüsse in den vergangenen Jahrzehnten aus dieser Nische heraus entwickelt und sind inzwischen – wie die Beispiele zeigen - in vielen Branchen und auch größeren Betrieben fester Bestandteil der Personalplanung.

Papierkram

Wie viel „Papierkram” ist erforderlich, um Mitglied in einem AGZ zu werden?

Um Arbeitskräfte eines AGZ in Anspruch nehmen zu können ist die Mitgliedschaft in einem AGZ notwendig. Für den jeweiligen Einsatz der Beschäftigten werden Überlassungsvereinbarungen zwischen dem AGZ und dem Einsatzbetrieb geschlossen. Sie enthalten Angaben zu Zeit, Ort, Umfang und Inhalt der Beschäftigung sowie qualifikatorische und sonstige Anforderungen an die Beschäftigten.

Rechtsform eines Arbeitgeberzusammenschlusses

Damit die in mehreren Unternehmen arbeitenden AGZ-Besch-
äftigten über einen einzigen Arbeitsvertrag eingestellt werden können, muss der Zusammenschluss eine Rechtsform haben.

In Frankreich und Deutschland erprobt und als überaus praktikabel erachtet sind bisher die Genossenschaft, der Verein und die GmbH, wobei die Genossen-
schaft als Gesellschaft zur Förderung der Wirtschaft ihrer Mitglieder durch den gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb die Idee der Arbeitgeberzusammenschlüsse am besten verkörpert.

Risiken

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Unternehmen, die sich an einem AGZ beteiligen, dieselben Risiken eingehen, als wenn sie selbst Arbeitskräfte einstellen würden, jedoch teilen sie sich dieses Risiko mit anderen Unternehmen.

Jedes Unternehmen zahlt für seine durch Überlassungsvereinbarung gebundenen Arbeitskräfte, wenn keine Alternative gefunden wird auch für den Fall, dass sie nicht in Anspruch genommen werden. Normalerweise findet sich jedoch ein Weg, die Arbeitskräfte anderweitig einzusetzen.

Die Unternehmen teilen sich ebenso das Risiko bei Krankheit. Die Risiken des gemeinsamen Geschäftsbetriebs des AGZ sind in Verträgen und Satzung festgelegt. Gleichzeitig haben alle Mitglieder Mitspracherechte bei der Leitung des AGZ. Sie können also den Grad des eingegangenen Risikos jederzeit kontrollieren und steuern.

Sicherheit

Arbeitgeberzusammenschlüsse bieten den Unternehmen die Sicherheit, in der Regel dieselben Arbeitskräfte immer wieder zu bekommen, die sie beim ersten Abruf selbst eingearbeitet haben. Dies ist bei Teilzeit- und Saisontätigkeiten sonst oft nicht der Fall.

Sie bieten den Beschäftigten sozialversicherungspflichtige, oft unbefristete Arbeitsverträge und so Sicherheit bei der Lebens- und Berufswegeplanung.

Teilzeit- und Saisonarbeitsplätze

Die Basis für den Aufbau eines AGZ ist die Kombination von Teilzeit- bzw. Saison-Arbeitsplätzen. So können vor allem auch Kleinbetriebe, die z.B. eine Buchhalterin oder einen Marketingspezialisten nur tageweise benötigen, qualifizierte Fachkräfte an ihr Unternehmen binden. Ebenso können saisonabhängige Tätigkeiten, wie z.B. im Tourismus, kombiniert werden.

Nicht nur die Verbindung ähnlicher, sondern auch gerade unter-
schiedlicher Beschäftigungsbereiche und damit das Entstehen ungewöhnlicher Kombinationen schaffen stabile Grundlagen für das Teilen von Arbeitskraft und die Weiterentwicklung eines Arbeitgeberzusammenschlusses.

Je „flexibler“ also der Beschäftigte ist, desto sicherer ist sein Arbeitsplatz. Wenn sein Arbeitgeber ein Zusammenschluss mit vielen und vielseitigen Mitgliedern ist, wird er stets Arbeit haben.

Unterschied zur Zeitarbeitsfirma

Macht es für ArbeitnehmerInnen einen Unterschied, ob sie in verschiedenen Unternehmen bei einer Zeitarbeitsfirma oder einem AGZ arbeiten?

Ja, denn die Beschäftigten von Zeitarbeitsfirmen dürfen in immer wechselnde Unternehmen verliehen werden, während die Arbeit-
nehmerInnen eines Arbeitgeberzusammenschlusses ausschließlich in den Mitgliedsunternehmen arbeiten.

Üblicherweise sind es zwei bis vier unterschiedliche Arbeitsplätze, die sie im Laufe eines Jahres besetzen, entweder saisonal nacheinander oder kontinuierlich halbtags, tage- oder wochen-
weise wechselnd.

Abgesehen von notwendigen oder auch gewünschten Änder-
ungen arbeiten die ArbeitnehmerInnen im folgenden Jahr wieder in denselben Unternehmen. Durch die Kontinuität wird Routine und Sicherheit bei den Arbeitseinsätzen und die Möglichkeit zu sozialen Kontakten geschaffen.

Unterschiede zur Zeitarbeit

Zeitarbeitsfirmen stellen Unternehmen als externer Dienstleister bei Personalausfällen und zusätzlichem Arbeitsanfall kurzfristig Arbeitskräfte zur Verfügung. Sie arbeiten i.d.R. gewinnorientiert.

Arbeitgeberzusammenschlüsse sind als "Unternehmen der Unter-
nehmen" ein "interner Dienstleister". Sie stellen in die Unter-
nehmensabläufe eingearbeitetes, regelmäßig wiederkehrendes Personal zur Verfügung.

Weiterqualifizierungen im Interesse der Mitgliedsunternehmen sind zentrale Aufgabe von AGZ. Sie organisieren Flexibilität auf Dauer und bieten langfristige soziale Sicherheit.

Verträge

Die Beziehungen zwischen AGZ, Mitgliedsunternehmen und Beschäftigten werden vertraglich geregelt. Den Rahmen hierfür gibt die Satzung bzw. eventuell eine Geschäftsordnung vor, die die täglichen Arbeits- und Entscheidungsgänge festlegt.

Überlassungsvereinbarungen regeln im Verhältnis AGZ-Mitgliedsbetrieb den Einsatz der Arbeitskräfte. Sie enthalten Angaben zu Zeit, Ort, Umfang und Inhalt der Beschäftigung sowie qualifikatorische und sonstige Anforderungen an den Beschäftigten.

Arbeitsverträge regeln das Verhältnis zwischen AGZ und Besch-
äftigten. Neben den üblichen Vereinbarungen wird hier der wechselnde Einsatz in den Mitgliedsbetrieben, die damit ver-
bundene eventuell schwankende Entlohnung, Geheimhaltungs-
pflichten beim Einsatz in mehreren Betrieben etc. festgehalten.

Vorteile für ArbeitgeberInnen

Arbeitgeberzusammenschlüsse sind eine überaus taugliche Methode, um Fachkräfte zu sichern und die Produktivität innerhalb des Betriebes zu heben. Zu den weiteren Vorteilen für ArbeitgeberInnen zählen:

  • Das Beschäftigungsrisiko wird auf die Mitgliedsbetriebe verteilt.
  • Die Mitgliedsbetriebe können bei Bedarf ihr Stammpersonal durch Personal aus dem AGZ ergänzen. Sie bleiben auch bei größeren Aufträgen konkurrenzfähig.
  • Arbeitgeberzusammenschlüsse ermöglichen den Einsatz von qualifizierten Spezialisten in strategischen Funktionen (Qualitätsmanagement, Marketing, EDV-Einsatz). Die Kompe-
    tenzen des Unternehmens werden gestärkt.
  • Arbeitgeberzusammenschlüsse bieten professionelles Personal-
    management auch für kleine Unternehmen. Die Mitglieds-
    betriebe sparen Kosten.
  • Die Kosten für Weiterbildungsmaßnahmen innerhalb der Arbeit-
    geberzusammenschlüsse werden auf alle Mitgliedsbetriebe verteilt. Die Beschäftigten der Mitgliedsbetriebe profitieren von hochwertigen Qualifizierungsmaß- nahmen. Das technologische Wissen bleibt im Unternehmen und auf dem aktuellen Stand. Dies bedingt mitunter einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern.
  • AGZ, die zumeist ein Zusammenschluss aus KMUs sind, sind punkto Arbeitnehmer-Attraktivität gegenüber großen Unter-
    nehmen nicht länger im Nachteil.
Vorteile für ArbeitnehmerInnen

Ein AGZ bietet zahlreiche Vorteile für ArbeitnehmerInnen. Dazu zählen:

  • Arbeitgeberzusammenschlüsse schaffen i.d.R. Vollzeit-Arbeitsplätze. Dies führt u.a. zu mehr Sicherheit in der Lebensplanung von Menschen.
  • Der AGZ ist der alleinige Arbeitgeber.
  • Arbeitgeberzusammenschlüsse organisieren Weiterbildungen, in denen sich die Beschäftigten fortbilden und ihre Kompe-
    tenzen erweitern. Die berufliche Qualifikation der Beschäftigten steigt.
  • Durch den regelmäßigen Wechsel der Arbeitsstellen innerhalb des AGZ entwickeln die Beschäftigten eine größere Selbst-
    ständigkeit und breiter angelegte Fähigkeiten. Ihr Wert für die beteiligten Unternehmen steigt. Somit können die Beschäftigten ihren Arbeitsplatz zu einem Gutteil absichern.
  • Durch die Kombination verschiedener Teil-Bedarfe der Unter-
    nehmen können neue Stellen geschaffen werden. Viele Arbeiten, die vorher in Überstunden, gelegentlich nebenher oder auch gar nicht getan wurden, können so ein Arbeits-
    verhältnis begründen.
  • Dadurch, dass AGZ aus verschiedenen Arbeitgebern bestehen, die mitunter auch verschiedenen Branchen angehören und unterschiedliche Tätigkeiten benötigen, profitieren Arbeit-
    nehmer auch aufgrund des hohen Grads an Abwechslung.
  • Ein AGZ unterliegt kollektivvertraglichen Bestimmungen und den gesetzlichen Regelungen des Arbeitsrechts womit Lohndumping oder Scheinselbstständigkeit von vornherein ausgeschlossen sind.
Vorteile für Regionen

Auch die Regionen profitieren durch die Gründung von Arbeit-
geberzusammenschlüssen:

  • AGZ verbessern die Chance, neue Arbeitsplätze in Regionen entstehen zu lassen, da Teilbedarfe an Arbeitskräften (die in dieser Form nicht zu Anstellungsverhältnissen führen würden) i.d.R. zu Vollzeitstellen kombiniert werden.
  • Durch die regionale Verankerung des AGZ entwickelt sich dieser immer mehr zum Spezialisten für die regionale Wirtschaft. In dieser Rolle kann er bestmöglich auf die beteiligten Arbeitgeber eingehen und deren Personalentwicklung unterstützen.
  • Kooperation wird in regionalen Wirtschaften immer wichtiger. Als Nebeneffekt der gemeinsam durchgeführten Personalteilung erhöht sich die Chance, Kooperation auch in anderen Bereichen zwischen den Mitgliedsbetrieben im AGZ zu realisieren.
  • Das Halten von Lehrlingen und Fachkräften in der Region, in der Gemeinde erhöht die Steuereinnahmen, was zu mehr Gestalt-
    ungsspielraum der Gemeinden führt.
  • Ein AGZ kann mithelfen, strukturschwache Regionen zu stärken und Abwanderung zu verhindern. Dies wiederum führt zu einer Zunahme an wirtschaftlicher Prosperität in der Region.
Vorteile von Arbeitgeberzusammenschlüssen

Über einen Arbeitgeberzusammenschluss stehen Arbeitgeber-
Innen - nach einer ersten Einarbeitung - eingearbeitete Fachkräfte für saisonale und Teilzeit-Arbeiten regelmäßig zur Verfügung.

Durch die von den Unternehmen garantierten Einsatzzeiten können Arbeitgeberzusammenschlüsse kostengünstig arbeiten. Durch das kooperative Personalmanagement werden die Unternehmen von Personalmanagementaufgaben – Einstellungs-
gespräche, Formalitäten, Kündigungen - entlastet. Darüber hinaus bieten sie Vorteile bei Einarbeitung, Qualifizierung, zwischen-
betrieblicher Zusammenarbeit und Ausbildung.

Die gemeinschaftlich eingestellten Arbeitskräfte werden aus-
schließlich bei den Mitgliedsunternehmen eingesetzt. Der fest umgrenzte Kreis von Arbeitsplätzen gibt den flexibel eingesetzten Beschäftigten eines Arbeitgeberzusammenschlusses die Möglich-
keit sozialer Kontakte im beruflichen Alltag und erhöht dadurch Leistung, Motivation und Zufriedenheit.

Die Beschäftigung in mehreren Unternehmen bietet gleichzeitig eine hohe Arbeitsplatzsicherheit und Chancen zur Kompetenz-
entwicklung. Durch diese Angebote können Fachkräfte und junge Arbeitskräfte in KMU und/oder ländlichen Regionen gehalten werden, die sich sonst andere Arbeitsmöglichkeiten suchen würden und die Mitgliedsunternehmen erhalten damit Chancen für die Reduzierung des Fachkräftemangels.

Arbeitgeberzusammenschlüsse bieten daher Vorteile für Arbeit-
geberInnen, ArbeitnehmerInnen sowie Regionen.

Weiterbildung und Qualifizierung

Kompetente und vielfältig einsetzbare MitarbeiterInnen sind das Kapital eines Arbeitgeberzusammenschlusses und seiner Mitgliedsunternehmen.

Wie viel in die Qualifizierung der Beschäftigten investiert wird, hängt von den Erfordernissen der Mitgliedsunternehmen ab. Diese entscheiden auch, welche Weiterbildungen allen Mitgliedsunter-
nehmen zugutekommen, ob die Kosten gemeinschaftlich getragen werden oder ob bestimmte betriebsspezifische Qualifizierungen oder Zertifikate nur von einzelnen Unternehmen gebraucht und dann auch nur von diesen bezahlt werden.

Nicht zu unterschätzen ist die Kompetenzentwicklung, die durch das Arbeiten an unterschiedlichen, aber über die Jahre vertrauten Arbeitsplätzen entsteht: Die fachliche Kompetenz wie auch die Fähigkeit, sich an unterschiedliche Arbeitsumgebungen anzu-
passen, sich unterschiedliche Arbeitsinhalte zu erschließen, mit unterschiedlichen Arbeitsrhythmen, Führungsstilen, Kollegen-
kreisen und Anforderungen umzugehen.

BetriebsleiterInnen in Frankreich betonen diese Fähigkeiten besonders, da die MitarbeiterInnen des AGZ in höherem Maße gewöhnt sind, selbständig zu arbeiten und anstehende Probleme zu lösen. Auch befragte ArbeitnehmerInnen berichteten von der Eigenständigkeit in ihrer Arbeit, die ihnen in der Regel Anerken-
nung und einen sicheren Arbeitsplatz einbringt, was wiederum die Freude an der Arbeit erhöht.

Weiterbildungskosten

Wer bezahlt die Weiterbildung der AGZ-Beschäftigten?

Wie viel in die Qualifizierung der Beschäftigten investiert wird, hängt von den Erfordernissen der Mitgliedsunternehmen ab. Diese entscheiden auch, welche Weiterbildungen allen Mitgliedsunter-
nehmen zugutekommen und die Kosten gemeinschaftlich getragen werden oder ob bestimmte betriebsspezifische Qualifizierungen oder Zertifikate nur von einzelnen Unternehmen gebraucht und dann auch nur von diesen bezahlt werden.

Gemeinschaftliche Weiterbildungskosten können in die prozent-
ualen Aufschläge auf die Lohnsumme einkalkuliert oder gesondert abgerechnet werden. Da kompetente und vielfältig einsetzbare MitarbeiterInnen das Kapital eines Arbeitgeberzusammen-
schlusses und seiner Mitgliedsunternehmen sind, sollte an der Qualifizierung nicht gespart werden. Es müssen aber nicht immer externe Weiterbildungen sein.

Nicht zu unterschätzen ist die Kompetenzentwicklung, die durch das Arbeiten an unterschiedlichen Arbeitsplätzen entsteht: abgestimmte Einsatz- und Qualifizierungspläne können effektiv und Kosten sparend sein.

Ziele von Arbeitgeberzusammenschlüssen
  1. Den beteiligten Betrieben qualifiziertes und zuverlässiges Personal zur Verfügung zu stellen.
  2. Unsichere Beschäftigungsverhältnisse in abgesicherte Vollzeit-Arbeitsstellen umzuwandeln.
  3. Durch das Angebot von beruflichen Perspektiven die wirtschaft-
    liche Entwicklung einer Region zu stärken

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