Was ist ein AGZ?

Der Startschuss für Arbeitgeberzusammenschlüsse in den 1980er Jahren lag vor allem darin, dass kleine und mittlere Unternehmen zunehmend nach neuen Möglichkeiten gesucht haben, ihren Arbeits- und Fachkräftebedarf auch über herkömmliche Beschäftig-
ungsformen hinaus zu sichern. Durch zwischenbetriebliche Kooperationen und Netzwerkbildung im Personalbereich ist es vielen kleinen und mittleren Unternehmen in Frankreich, dem Vorreiter der Arbeitgeberzusammenschlüsse, gelungen, ihre Flexibilität beim Personaleinsatz zu erhöhen und dabei gleichzeitig die dauerhafte Beschäftigung ihrer Mitarbeiter abzusichern - vor allem auch in den strukturschwachen Regionen.

Das AGZ-Modell wurde nicht nur als ein Modell für Saisonbetriebe verstanden, sondern grundsätzlich als ein Modell für kleinere Unternehmen verschiedenster Branchen. Immer wieder stehen kleinere Unternehmen in vielen Fällen vor dem Problem, gutes Personal auch dann zu finden und zu binden, wenn sie es nicht vollständig auslasten und ihm damit auch keine attraktiven Arbeitsstellen anbieten können. Dies betrifft z. B. Aufgaben bzw. interne Dienstleistungen im Unternehmen für die sich die Schaffung einer Vollzeitstelle nicht rechnet und die deshalb ausgelagert oder vernachlässigt werden. Oder diese Aufgaben werden vom vorhandenen Personal „nebenbei“ erledigt, was sowohl zu Unter- als auch Überforderung führen kann.

Zudem ist ein „Kampf“ und zunehmender Wettbewerb um Fachkräfte ausgebrochen, bei dem kleinere und mittelständische Unternehmen oftmals Nachteile gegenüber großen Unternehmen haben, da diese meist als weniger attraktiv angesehen werden.

Darüber hinaus zeigt sich, dass die AGZ in Frankreich auch ein Modell sind, um Auftragsschwankungen durch flexiblen Personal-
einsatz zu überbrücken, ohne Personal entlassen zu müssen. Bisher durchgeführte Untersuchungen in Frankreich und Deutschland machen deutlich, dass Beschäftigte in einem AGZ vielfältig profitieren.

Neben sicheren und dauerhaften Arbeitsplätzen betonen die befragten Beschäftigten die vielfältigen beruflichen Entwicklungs-
möglichkeiten sowie die Steigerung der beruflichen Kompetenzen durch die Kombination von Arbeitseinsätzen, durch die individuelle Begleitung und durch vielfältige Qualifizierungsmöglichkeiten.

Sowohl die Arbeit in unterschiedlichen Betrieben als auch die unterschiedlichen Tätigkeiten ermöglichen die Entwicklung vielfältiger beruflicher und außerberuflicher Kompetenzen und tragen somit neben dem gezielten Einsatz von Weiterbildungs-
angeboten zur Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im AGZ bei.

Wie sich am Beispiel Frankreich zeigt, bieten Arbeitgeber-
zusammenschlüsse gerade kleineren Unternehmen Möglichkeiten die personalwirtschaftlichen Herausforderungen selbst in die Hand zu nehmen. Eine aktuelle Studie mit dem Titel „Arbeitgeber-
zusammenschlüsse in Frankreich - Eine innovative Form des Fachkräftemanagements“ von Sigrid Wölfing und Dr. Thomas Hartmann (tamen.Entwicklungsbüro Arbeit und Umwelt GmbH, Berlin) zeigt, dass durch Kooperationen zwischen den Unternehmen mit ähnlichen Problemlagen und Aufgaben-
stellungen sowohl die Flexibilität des Personaleinsatzes als auch die Stabilität der oftmals neu geschaffenen Arbeitsplätze erhöht werden kann.

Das Modell der Arbeitgeberzusammenschlüsse wird deshalb auch als ein Instrument im Rahmen der Flexicurity-Strategie der Europäischen Union verstanden und ist eine Antwort auf die Intention von Unternehmen, Fachkräfte zu binden und zu sichern und dafür Kooperationen mit anderen Arbeitgebern einzugehen.

Für die flexibel in den Mitgliedsbetrieben eingesetzten Beschäftigten ist der Arbeitgeberzusammenschluss der alleinige Arbeitgeber. Ein Arbeitgeberzusammenschluss stellt für die Mitgliedsbetriebe gemäß ihrer zusätzlichen Bedarfe Arbeitskräfte ein, qualifiziert sie entsprechend den Anforderungen weiter und managt den Einsatz in den beteiligten Betrieben.

Arbeitgeberzusammenschlüsse finanzieren sich in der Regel über einen prozentualen Aufschlag auf die von den Betrieben in Anspruch genommenen Arbeitsstunden. Größere Zusammen-
schlüsse werden von einem eigenen Management geleitet, bei kleineren übernimmt das Management üblicherweise ein Mitgliedsbetrieb.

Hauptaufgaben des Managements sind die Identifikation von Teilbedarfen der Betriebe, die Kombination dieser Nachfrage zu Arbeitsstellen für die Beschäftigten, das Management des Arbeitseinsatzes, die Personalentwicklung und -akquisition. Arbeitgeberzusammenschlüsse sind ein Instrument der regionalen Fachkräftesicherung, da sie mit ihrem überbetrieblichen Blick und ihrem integrativen Vorgehen sowohl die Situation der Region, der Betriebe als auch von Beschäftigten sowie Zielgruppen des Arbeitsmarktes mit berücksichtigen und bearbeiten können.

In Frankreich existieren derzeit etwa 6.000 solcher Zusammen-
schlüsse, in denen mehr als 60.000 Beschäftigte (Stand 2017) arbeiten.


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